Ein Nagel im Reifen oder ein schleichender Luftverlust – viele Autofahrer fragen sich dann: Kann man den Reifen noch reparieren oder muss er ersetzt werden?
Grundsätzlich ist eine Reparatur möglich – aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. In diesem Artikel erfährst du, welche Reparaturarten es gibt, was erlaubt ist und wann ein Reifen auf keinen Fall weiter verwendet werden sollte.
Nagel im Reifen – was tun?
Ein Nagel oder eine Schraube im Reifen ist einer der häufigsten Gründe für einen Luftverlust.
Wichtig: Steckt der Fremdkörper noch im Reifen, sollte er nicht einfach herausgezogen werden. Oft dichtet er das Loch vorübergehend ab.
Stattdessen sollte der Reifen möglichst schnell in einer Werkstatt überprüft werden. Ob eine Reparatur möglich ist, hängt davon ab, wo sich der Schaden befindet und ob der Reifen weitergefahren wurde.
Bei Unsicherheit gilt: Lieber einmal zu früh prüfen lassen als zu spät.
Wann darf ein Reifen repariert werden?
Ein Reifen darf nur repariert werden, wenn er sich insgesamt in einem einwandfreien Zustand befindet.
Wichtige Voraussetzungen sind:
– Der Schaden befindet sich in der Lauffläche
– Der Reifen wurde nicht im platten Zustand weitergefahren
– Der Reifen ist nicht älter als etwa 10 Jahre
– Es sind keine weiteren Schäden erkennbar (innen und außen)
Wurde ein Reifen längere Zeit mit zu wenig Luftdruck gefahren, kann die innere Struktur beschädigt sein – auch wenn von außen nichts sichtbar ist. In diesem Fall sollte der Reifen nicht mehr repariert werden.
Kaltvulkanisation (Standard-Reparatur)
Die sogenannte Kaltvulkanisation ist die gängigste und fachgerechte Methode zur Reifenreparatur.
Dabei wird der Reifen von der Felge demontiert. Die beschädigte Stelle wird von innen vorbereitet, angeraut und aufgearbeitet. Anschließend wird ein Reparaturpflaster + Stopfen oder ein Kombistopfen eingesetzt.
Diese Art der Reparatur ist nur im Bereich der Lauffläche zulässig und eignet sich für kleinere Schäden.
In der Praxis gilt:
– nur bis zu einer bestimmten Schadensgröße (ca. bis 6 mm)
– nur bei Reifen, die für Geschwindigkeiten bis etwa 300 km/h (Vmax) zugelassen sind
Wird die Reparatur fachgerecht durchgeführt, ist der Reifen in der Regel weiterhin sicher nutzbar.
Heißvulkanisation
Bei der Heißvulkanisation wird der Reifen unter Hitze und Druck repariert. Diese Methode kann auch bei größeren Schäden oder im Bereich der Seitenwand angewendet werden.
Der Aufwand ist jedoch deutlich höher, da der Reifen/die Stelle aufwendig vorbereitet und erhitzt werden muss.
In der Praxis lohnt sich diese Reparatur oft nicht, da die Kosten in vielen Fällen über einem neuen Reifen liegen.
„Flickwurst“ / Reifen von außen flicken
Eine weitere bekannte Methode ist das Flicken von außen mit sogenannten Reparaturstreifen (umgangssprachlich oft „Flickwurst“ genannt).
Dabei wird ein Gummistreifen von außen in das Loch gedrückt, ohne den Reifen von der Felge zu demontieren.
Bewusst spreche ich hier vom „Flicken“ und nicht von einer Reparatur. Diese Methode stellt keine fachgerechte und dauerhafte Instandsetzung dar und bietet keine zuverlässige Sicherheit.
Sie sollte daher nur im Notfall eingesetzt werden, um das Fahrzeug kurzfristig fahrbereit zu machen.
In der Regel ist damit nur eine Weiterfahrt mit stark reduzierter Geschwindigkeit (z. B. bis etwa 40 km/h) bis zur nächsten Werkstatt vorgesehen.
Eine dauerhafte Nutzung eines so geflickten Reifens ist nicht zulässig und kann im Ernstfall sicherheitsrelevant sein.
Fazit
Eine Reifenreparatur ist unter bestimmten Bedingungen möglich und kann eine sinnvolle Alternative zum Neukauf sein.
Wichtig ist jedoch, dass die Reparatur fachgerecht durchgeführt wird und der Reifen sich insgesamt in einem guten Zustand befindet.
Provisorische Lösungen wie Reparaturstreifen sollten, wenn überhaupt, NUR im Notfall verwendet werden.
Denn am Ende gilt: Reifen sind der einzige Kontakt zwischen Auto und Straße – und hier sollte man keine Kompromisse eingehen.